Federvieh: Was hilft und was schadet
Gans schön clever!
Freundliche Naturboten oder nervige Kot-Plage? Zum lieben Federvieh auf der Trabrennbahn hat wohl jeder Mieter eine Meinung. Wir haben die Experten gefragt: Wie tickt Familie Gans wirklich?
Im Gänse-Gleichschritt marsch! Flankiert von Mama und Papa tapsen vier flauschige Gössel über den Rasen. „Das ist eine ganz besondere Gänsefamilie“, kommentiert Gänseexperte Simon Hinrichs (21). Denn: Hier speist eine Patchwork-Truppe. Zwei der Gössel von Kanadagans- Mama Nr. 925 sind eindeutig Graugänse. Nanu? „Vermutlich haben die stärkeren Kanadagänse ein Graugans-Nest übernommen, in dem schon zwei Eier lagen“, so Hinrichs. Statt sie zu zerstören, legten die sozialen Tiere zwei eigene dazu und brüteten alle aus.

Hinrichs ist eine Art Hamburger „Gänsevater“. Seit sechs Jahren beringt und zählt er als ehrenamtlicher Mitarbeiter der StaatlichenVogelschutzwarte Hamburg Kanada- und Graugänse in ganz Hamburg. Alle Daten über die Tiere landen auf seinem Schreibtisch.

Spezialistin für die Trabrennbahn- Gänse ist seine Kollegin Martina Born. Woche für Woche zählt sie die Population. Sie kennt die Vorbehalte vieler Mieter gegen das Federvieh und kann sie – zumindest was den Kot betrifft – verstehen. Born plädiert für Gelassenheit und überlegte Planung, dann könnten Mensch und Gans gute Nachbarn sein.

Richtig voll ist es ohnehin nur während der Mauser von Mitte Mai bis Mitte Juli. Maximal 100 Grau- und Kanadagänse zählen die Vogelschützer dann. „Viele brüten an den Pohlmann-Teichen und kommen mit den frisch geschlüpften Gösseln zur Mauser auf die Trabrennbahn“, erläutert Hinrichs. Große Rasen- und Wasserflächen auf einem Gebiet fast ohne Hunde bieten den Vegetariern Schutz und Nahrung. Sobald die Federn nachgewachsen sind, entschwinden die Graugänse bis zur Brut im nächsten Frühjahr in Richtung Elbmarschen, Ostsee oder Niederlande. Zwischen August und April bevölkern etwa 30 Kanadagänse die Trabrennbahn.
Können Gänse eigentlich Kindern gefährlich werden? Sie zum Beispiel beißen? „Nein. Anders als Hausgänse sind ihre wild lebenden Verwandten Fluchttiere“, so Hinrichs. Lautes Zischen und Flügelausbreiten seien keine Angriffssignale, sondern nur Drohgebärden, vor allem zum Schutz der Küken.
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