Kleines Glück in der grünen Idylle
Spaten, Harke, Heckenschere – und 80 Jahre harte Arbeit: Mit Fleiß und Ideen haben sich die Kleingärtner des Vereins „Strandpark Ziegelsee“ direkt neben der Trabrennbahn ein grünes Paradies geschaffen. Wir haben über die Hecke geschaut. Die ersten Frühblüher trotzen dem Frost. Unter kahlen Hecken öffnen Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge ihre zarten Knospen. Amsel, Drossel, Fink und Star bitten zur Generalprobe. In den Parzellen sind Vorbereitungen für die Gartensaison angesagt. Schon in wenigen Wochen verwandelt sich die schlummernde Schöne zwischen Friedrich-Ebert-Damm, Am Stadtrand und Trabrennbahn in einen phantastischen Blütentraum inmitten der Großstadt. An den Ufern von Pohlmannsee, Großem und Kleinem Ziegelsee duften dann Lilien und Rosen. Radieschen, Salat und Porree gedeihen in gepflegten Beeten. 80 Jahre harte Arbeit stecken in diesem Paradies direkt neben der Trabrennbahn. Wo heute akkurat gestutzte Hecken ein gepflegtes Erscheinungsbild garantieren, stand bis ins 20. Jahrhundert hinein die Ziegelei der Familie Mejer. Ebenso wie die Teiche auf der Trabrennbahn sind die drei malerischen Gewässer ehemalige Tonkuhlen. Am Grunde des Großen Ziegelsees stehen noch die Ruinen der alten Fabrik – an der Spitze des Schornsteins knapp unter der Wasseroberfläche stießen die Kinder sich früher beim Schwimmen die Zehen, erinnert sich Kleingärtner Peter Bornhöft.
Er muss es wissen. Seit mehr als 50 Jahren beackert der Elektromeister seine Parzelle hier. Bornhöft gehört zu den wenigen Kleingärtnern, die ihr Land ganzjährig bewohnen dürfen. Nach dem Krieg war das „Dauerwohnen“ in der befestigten Laube gang und gäbe. Wohnraum war knapp und teuer. Auch das junge Ehepaar Bornhöft entschied sich vor allem mangels bezahlbarer Alternative für eine Parzelle am Ziegelsee. Und damit für einen beschwerlichen Alltag.
Wir hatten kein Telefon, die eisernen Wasserleitungen gingen ständig zu Bruch“, so Bornhöft. Gummistiefel waren auf den unbefestigten Wegen das bevorzugte Schuhwerk. „Vorn an der Straße stand eine Kiste, dort tauschte man seine Gummistiefel für den Weg in die Stadt gegen bürotaugliche Schuhe aus.“
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