Reizthema: Hausflur als
„Selbstbedienungsladen“
Ein Klick, ein Dreh am Türschloss – schon wird die Haustür zur Schwingtür. Scheinbar geschlossen, gibt sie schon auf leichten Schulterdruck nach. Praktisch, wenn man beide Hände voller Einkaufstüten hat. Doch die Bequemlichkeit hat ihren Preis: Der Flur steht auch ungebetenen Gästen offen. Gerade wurde ein Kinderwagen-Dieb auf frischer Tat ertappt.
Raja B.: „Ich habe von den Diebstählen gehört. Wir machen die Tür generell zu. Ich finde es erschreckend, wie viele Haustüren sperrangelweit offen stehen, gerade an Sommerabenden. Kein Wunder, dass so viel weg kommt.“
Hildegard B.: „In der heutigen Zeit muss man vorsichtig sein. Bei uns im Haus schließen alle ab, es sei denn, sie kommen bepackt mit Einkaufstüten nach Hause. Ich öffne nur Leuten, die ich kenne.“
Mandy S.: „Die offenen Haustüren finden wir sehr ärgerlich. Auch die Putzkolonne schließt oft nicht ab, da sind schon Sachen geklaut worden. Mein Vater und ich haben gerade Zettel im Treppenhaus aufgehängt mit der Bitte, die Tür geschlossen zu halten. Genützt hat es leider noch nicht viel.“
Lothar H.: „Ich bitte alle Leute darum, immer die Tür zu schließen. Aber sie steht trotzdem leider oft auf. Meine Frau sitzt im Rollstuhl, und wir haben Angst, dass jemand den mal aus dem Flur oder dem Keller stehlen könnte.“
Entschlossene Mieterin
schnappt Kinderwagen-Dieb
„Das war total dreist!“ Elke X. (Name geändert) ist immer noch empört über den Kinderwagen-Dieb in ihrem Hausflur. Dass die Polizei Owusu M. (23) im Januar schnappen konnte, verdanken die Beamten vor allem Mut und Geistesgegenwart der Mieterin von der Trabrennbahn. Denn die reagierte genau richtig, als sie plötzlich den Mann vor ihrer Haustür entdeckte, der erst im Dezember ihren eigenen Kinderwagen gestohlen hatte. „Das war totaler Zufall“, erzählt sie. „Ich wollte gerade mit meinem Baby das Haus verlassen, da stand der vor unserer Tür, telefonierte mit seinem Handy.“ So hielt er Kontakt mit dem Hehler, für den er die „Ware“ stahl. Bevor M. sie durch die Glasscheibe entdecken konnte, zog sie sich rasch ins Haus zurück. Dann wandte M. sich dem nächsten Eingang zu.
Frau X. fackelte nicht lange, nahm die Verfolgung auf. Gleichzeitig rief sie über Handy die Polizei an. Die Mieterin folgte dem mutmaßlichen Dieb vorsichtig im Auto, samt Baby. „Der ließ sich leicht beschatten, ging seelenruhig von Haustür zu Haustür.“ Angst vor Entdeckung hatte sie nicht. „In dem Moment handelt man intuitiv.“
Die Polizisten waren nach wenigen Minuten vor Ort, belauerten unerkannt den Mann mit dem Handy am Ohr. Und ertappten ihn auf frischer Tat: Gerade zog M. einen fremden Kinderwagen aus einem anderen Hausflur am Max-Herz-Ring.Trotz Diebstahl: Die Tür habe auch danach häufig offen gestanden, bedauert Frau X. „Auch einige Putzfrauen und Briefträger lassen sie offen“, kritisiert sie. Ihr eigenes Rezept gegen den Kinderwagen-Klau: „Wenn ich die Tür nicht im Auge habe, mache ich sie immer zu.“ Und den neuen Wagen lässt die Familie jetzt im Auto.
Und was sagt GATOR dazu?
„Dem Hinweis, dass Putzkolonnen gelegentlich die Türen offen lassen, werden wir nachgehen“, so Marlies Wesenberg von der Hausverwaltung. „Alles andere entzieht sich leider unserem Einfluss.
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