Ballack, Böller, Bratwurst
Okay, die deutschen Kicker sind nicht Weltmeister geworden. Der WM-Begeisterung auf der Trabrennbahn tat das aber keinen Abbruch. Nachbarn grillten, guckten Fußball – und wurden zu Freunden.
„Jaaa!“ Jubelnd riss Ulrich Gmeiner beide Arme hoch – und mit ihm ein ganzes Wohnzimmer voller Nachbarn am Max-Herz-Ring 45. Wie ein Mann sprangen zwölf Fußballfans vor der Mattscheibe vom Sofa. In der 44. Minute hatte Miroslav Klose das 2:0 gegen Ecuador geschossen. Souverän marschierte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft an diesem Juninachmittag auf den Gruppensieg zu. Mit Fahnen, Trikots und schwarz-rot-goldener Irokesen-Perücke rannten die Kinder Tom, Mark, Svenja und Leonie in den Garten, stimmten mit Tröten und Trillerpfeifen ein in das Jubelkonzert draußen auf der Anlage. Von allen Seiten hupte und böllerte es, die Menschen applaudierten und umarmten sich. Auf der Trabrennbahn grassierte vier Wochen lang das Fußballfieber. Schwarz-Rot-Gold grüßten Fahnen und Wimpel von Dutzenden von Balkonen, aufgelockert durch Flaggen Brasiliens oder Italiens. Die Gmeiners hatten ihre gute Stube in eine Art Nationalhalle verwandelt: Wimpel liefen quer durchs Zimmer, eine entsprechende Girlande nebst vier Baseballkappen zierte das Regal hinter dem Fernseher. Und die Schokoküsse waren nicht braun, sondern ebenfalls in den Nationalfarben überzogen. „Wir gucken viele Spiele mit den Nachbarn zusammen, das macht viel mehr Spaß“, sagte Gmeiners Frau Monika.
„Die WM ist gut für die Nachbarschaft“, nickte auch Mieterin Sibylle Rettig. „Man spricht mehr miteinander, auch mit Leuten, die man kaum kannte.“ Ganz in der Nähe ihrer Terrassentür hatten Mieter zum Auftakt der WM ein richtiges Mini-Fanfest organisiert: Gemeinsam verfolgten die Fans die ersten Gruppenspiel in einem eigens aufgestellten Zelt per Beamer, grillten und feierten bis weit nach Mitternacht.
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